Kreistagsfraktion

Vorsitz der Kreistagsfraktion v. l.
Günter Dubber, Ulrike Walter und Alexander Blume

Neues aus dem Kreistag

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Rede des CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Günter Dubber zum Kreishaushalt 2022

Sehr geehrter Herr Landrat, verehrte Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen,

angesichts der aktuellen Ereignisse fällt es schwer, heute eine „ganz normale“ Haushaltsrede zu halten, wohl wissend, wie unwichtig und nebensächlich unsere lokalen Probleme im Vergleich insbesondere zu einem Krieg mitten in Europa sind.

Von daher werde ich mich bemühen, sachlich zu bleiben, auch wenn es mir an der einen oder anderen Stelle schwerfallen wird.

Meine Damen und Herren,

es ist gerade einmal vier Jahre her, dass wir die letzten 1,8 Mio. € von insgesamt rd. 108 Mio.€ Kassenkrediten tilgen konnten – letztlich nur mit Hilfe des Landes und viel Glück durch anhaltend positive wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Der Zukunftsvertrag war vorzeitig erfüllt, der Landkreis endlich wieder voll handlungsfähig.

Heute, vier Jahre später, stehen wir vor der Frage, ob wir diese Handlungsfähigkeit erneut gefährden wollen oder ob wir es schaffen, auch in Krisenzeiten solide zu wirtschaften.

Genau darum geht es, nicht um die Höhe der Kreisumlage, nicht um die Höhe des Fehlbetrages im Ergebnishaushalt, sondern konkret um neue Liquiditätskredite, die uns erneut über Jahre belasten werden und damit unsere Gestaltungsspielräume unverhältnismäßig einschränken.

8,2 Millionen € Minus im Finanzhaushalt beinhaltet der Entwurf, den der Finanzausschuss dem Kreistag empfohlen hat – das heißt, wir können nicht einmal unsere laufenden Kosten aus Einnahmen decken, geschweige denn die Tilgung unserer Investitionskredite. Glaubt man dem Kollegen Kamp, lediglich ein kurzfristiger Vorgriff auf 2023, da dann alles wieder besser wird!

Team Vorsicht gegen Zuversicht nannte die Landeszeitung das nach dem Finanzausschuss – spätestens seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine würde ich eher sagen: Team Realismus gegen Team Wunschdenken.

Für die neuen Personalstellen, die im Haushalt 2022 nur mit den halben Kosten angesetzt sind, werden 2023 die vollen Kosten wirksam, die Inflation wird uns insbesondere bei den Energiekosten für die Gebäude massiv einholen und an ein endgültiges Ende von Corona glauben auch nur hoffnungslose Optimisten. Auch ohne neue kostenträchtige Anträge oder zusätzliche Stellen in 2023 – und beides dürfte zu erwarten sein- wären dann mindestens 10 Millionen € Mehreinnahmen nötig, um zumindest ein weiteres Defizit zu verhindern und ohne, dass wir es schaffen, das Minus aus 2022 zu decken.

Wo diese Einnahmen angesichts von Kürzungen bei den Schlüsselzuweisungen wegen zu viel gezahlter Beträge in 2020 und den wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine – Krieges herkommen sollen, ist mir ein Rätsel.

Dabei wäre es durchaus möglich gewesen, zumindest für 2022 das Defizit soweit zu reduzieren, dass wir bei straffer Haushaltsführung ohne größere Belastungen durch das Jahr 2022 gekommen wären.

Dazu hätte es aber dem Willen zu Einsparungen und der Bereitschaft, auf neue, kostenträchtige Anträge zu verzichten, von allen Seiten bedurft.

Beides war bei der Mehrheit offensichtlich nicht vorhanden.

Einsparvorschläge kamen nur von der Verwaltung und wurden dann noch teilweise abgelehnt, und von uns, Anträge der Mehrheit mit zusätzlichen Ausgabewünschen kamen hingegen jede Menge.

Um Legendenbildungen vorzubeugen: auch die CDU – Fraktion war gegen eine Kreisumlage von 51,5 Prozent, auch wir wären erfreut gewesen, wenn wir auf eine Erhöhung der Kreisumlage überhaupt hätten verzichten können oder wenn, dann nur soweit, wie es nach Nutzung aller Sparmaßnahmen unumgänglich ist.

Ob die Gemeinden am Ende über die jetzt geplanten Festsetzungen so glücklich sein werden, wage ich zu bezweifeln. Denn irgendwann werden sie das Defizit in den kommenden Jahren denn doch bezahlen müssen, wie es ihnen der Kollege Kamp ja denn auch im AFP angekündigt hat.

Ein Kernthema dieser langen und zeitweise seltsam ereignislosen Haushaltsberatungen war von Beginn an der Stellenplan.

Für die SPD – Fraktion war der Fall jedenfalls offensichtlich schon bei Einbringen des 1. Entwurfes klar: schuld am Defizit und damit der höheren Kreisumlage war der Landrat, der sich mal eben 40 neue Stellen gegönnt hatte, was denn auch eifrig so kommuniziert wurde.

Kein Thema: auch wir haben das zusätzliche Personal kritisch hinterfragt, uns Frau Welz in die Fraktion geholt, Frau Hobro, Frau Vossers und in langen Sitzungen mit dem Landrat jede Stelle auf die sprichwörtliche Goldwaage gelegt, solange, bis dieser uns fast die Freundschaft gekündigt hätte!

Am Ende stand eine Sparliste, die trotz guter Begründung der Verwaltung und unter Hinnahme von Einschränkungen bei der laufenden Arbeit die Einsparung von immerhin 8,5 Stellen und rd. 280.000 € zumindest für 2022 bedeutet hätte.

Ich persönlich war sehr gespannt, was denn von den anderen Fraktionen, insbesondere der SPD, für Vorschläge kommen würden – es kamen letztlich keine.

Im Ergebnis sind es dann bei aller lautstarken Kritik drei halbe Stellen mehr geworden, alle im freiwilligen Bereich, eine für einen Beauftragten gegen Rechtsextremismus, in dieser Form  gegen die ausdrückliche Empfehlung aller Fachleute im Fachausschuss, die eine finanzielle Stärkung bestehender Strukturen außerhalb der Kreisverwaltung empfohlen hatten, zwei im Bereich Klimaschutz, deren Aufgabe, Eingruppierung und Notwendigkeit aber eher im Nebulösen gelassen wurde.

Ich denke, da wäre eine Entschuldigung bei unserem Landrat nicht ganz unangebracht.

Für uns kommt eine Streichung von Stellen bei Pflichtaufgaben nicht mehr in Frage, wenn gleichzeitig Stellen im freiwilligen Bereich neu geschaffen werden sollen. Das ist niemandem in der Verwaltung zuzumuten.

Und wir werden dem Stellenplan aufgrund der zusätzlichen Stellen, insbesondere der völlig unbegründeten halben Stelle für den Beauftragten gegen Rechtsextremismus, heute nicht zustimmen.

Meine Damen und Herren,

in den vergangenen Jahren war die Arbeit am Haushalt, insbesondere der Austausch zwischen den Fraktionen, sehr intensiv und geprägt von dem Wunsch, am Ende einen für alle tragbaren Kompromiss zu erzielen. Das war dieses Jahr leider anders. Die Positionen waren frühzeitig sehr festgefahren, es gab denn am Ende ein einziges Gespräch der drei großen Fraktionen, das dann auch letztlich gescheitert ist. Wir mussten feststellen, dass der Fraktion Bündnis 90/die Grünen die Höhe des Defizits von nachrangiger Bedeutung war, jedenfalls, wenn es um grüne Themen ging und die SPD in der Frage der Kreisumlage auch nicht gerade flexibel agiert und die kostenträchtigen grünen Anträge mitgetragen hat.

Ich hätte mir gewünscht, wir wären dem Vermittlungsvorschlag des Landrates gefolgt, das uns zumindest ein Haushaltskonsolidierungskonzept erspart hätte. Auch wenn es unsere rote Linie bei den Liquiditätskrediten bereits überschritten hätte, wären wir dazu bereit gewesen.

Das war nicht gewollt und das ist dann eben so.

Uns jetzt allerdings vorzuhalten, wir wären nicht kompromissbereit gewesen, ist unfair.

Wir hätten dem Landrat die Gefolgschaft verweigert, die SPD müsse dem Landrat den Haushalt retten – die Polemik bei Facebook war kaum zu fassen.

Um das einmal deutlich zu sagen:

Erstens: In Demokratien kommt es vor, dass man unterschiedlicher Meinung ist. Wenn eine Fraktion oder auch nur ein Kreistagsabgeordneter anders abstimmt als man selber, kann man das auch mal akzeptieren, ohne polemisch oder oberlehrerhaft zu werden – das nervt!

Zweitens: Das ist nicht der Haushalt des Landrates, sondern der Haushalt des Landkreises.

Die Entscheidung über den Haushalt und über die Kreisumlage ist das ureigenste Recht des Kreistages und der Kreistag trägt dafür auch die Verantwortung.

Wir können und wollen nicht die Verantwortung dafür tragen, dass der Kreis erneut in eine massive Liquiditätsverschuldung kommt und deswegen lehnen wir den Haushalt heute ab.


Günter Dubber
Fraktionsvorsitzender


Mitglieder der Kreistagsfraktion

Alexander Blume
Stellv. Fraktionsvorsitzender
Günther Dubber
Fraktionsvorsitzender
Ulrike Walter
Stellv. Fraktionsvorsitzende
Thomas Bieler
Ingrid Dziuba-Busch
Hans-Georg Führinger
Jürgen Hövermann
Wilhelm Kastens
Katrin Pfeffer
Marko Puls
Jürgen Scherf
Inge Schmidt
Fraktionsgeschäftsführerin
Dr. Marco Schulze
Norbert Thiemann
Stellv. Landrat
Evelin Tiedemann