Junge Union und Senioren-Union im Kreisverband Lüneburg beschließen Pflege-Papier

Lüneburg Anlässlich des Internationalen Tages der Pflege letzte Woche verabschiedeten der Kreisverband Lüneburg der Jungen Union (JU) und der Senioren-Union (SU) einstimmig einen gemeinsamen Forderungskatalog zur Pflegepolitik, um auf Missstände in diesem Bereich aufmerksam zu machen. An einer gemeinsamen Arbeitssitzung nahmen von beiden Verbänden im Restaurant „Vitallissimo“ in Lüneburg insgesamt 19 Mitglieder teil, darunter die Kreisvorsitzenden der JU, Alexander Schwake, und der SU, Renate Rudolph.

 

Die Verbände warnen vor zu vielen Privatisierungen. Stattdessen sei stärker auf kommunale Trägerschaften wie die Lüneburger Gesundheitsholding zu setzen. Ausländische Bildungsabschlüsse im Kranken- und Pflegebereich müssten zudem leichter anerkannt und die gesellschaftliche Akzeptanz von Tätigkeiten im Pflegebereich erhöht werden. Hierfür sei auch an Gymnasien für die Pflegeausbildung zu werben ebenso wie für das noch wenig bekannte duale Studium Pflege.

 

In einem Vortrag stellten die JU-Mitglieder Hanna Wollny, die eine Ausbildung zur examinierten Pflegekraft absolviert, und Student Robert Murata die Pflegesituation in Deutschland dar. Wollny berichtete: „Der demografische Wandel ist in vielen Ländern weltweit zu beobachten und Deutschland bleibt von ihm nicht verschont. Deutschlands Bevölkerung altert unausweichlich.“

 

Nach Expertenschätzungen werde die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahre 2060 auf rund 5 Millionen steigen, während sie im Jahre 2015 noch bei 2,8 Millionen gelegen habe. Dazu trage auch das Anfang des Jahres 2017 in Kraft getretene Zweite Pflegestärkungsgesetz bei, das aus drei Pflegegraden fünf mache. „Unabhängig von der Sinnhaftigkeit dieser Reform verschärft sie das Problem des Pflegekräftemangels“, konstatierte Murata.

 

Beide Referenten waren sich einig: „Gerade für die Menschen, die als examinierte Pflegekräfte arbeiten, sind die Arbeitsbedingungen unattraktiv. Dies wird in den Medien auch immer wieder zurecht deutlich gemacht.“ Schlechte Bezahlung, Bürokratie und Einsparmaßnahmen bei praktischen Hilfsmitteln wie Rollatoren würden den beruflichen Alltag der Pflegekräfte erschweren und diesen Beruf für viele junge Menschen nicht erstrebenswert machen. Dies gehe schlussendlich auch zulasten der Gepflegten.

 

Der JU-Kreisvorsitzende, Alexander Schwake, erklärte: „Die Pflege wird das große Thema der kommenden Jahre und Jahrzehnte werden. Bald geht die Babyboomer-Generation in Rente, gleichzeitig leben die Menschen immer länger. Ihren Ruhestand haben sich die Menschen hart erarbeitet, in Verbindung mit einer längeren Lebenserwartung stellt dies das Pflegesystem aber auch vor große Herausforderungen, die die Politik mit den Menschen anpacken muss. Nur gemeinsam werden Jung und Alt dabei die Herausforderungen in der Pflege meistern können. Das von der JU und SU gemeinsam erarbeitete Papier ist ein sehr guter Schritt auf diesem Weg.“ Die SU-Vorsitzende, Renate Rudolph, schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich freue mich, dass der CDU-Nachwuchs das Gespräch mit der Senioren-Union sucht.

 

Die Mitglieder der SU können manchmal als Partner pflegebedürftiger Personen noch einmal einen ganz anderen Blickwinkel auf die Pflege einbringen als die Jüngeren, die wie im Vortrag oft den Fokus stärker auf die Pflegenden legen. Beides, die Sicht der Älteren wie der Jüngeren, hat aber seine Berechtigung.“