22. „Gespräche MIT Genuss“ im Spannungsfeld von Verbraucher- / Naturschutz und Lebensmittelproduktion

Peter Luths (r.) begrüßte als besonderen Gast der MIT Lüneburg den Ehrenpräsidenten der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham (Foto: MIT/Max Manzke)
Peter Luths (r.) begrüßte als besonderen Gast der MIT Lüneburg den Ehrenpräsidenten der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham (Foto: MIT/Max Manzke)

Flexibel, schnell und tatkräftig – das sind die Attribute, die dem Mittelstand zugeschrieben werden. Bei den 22. „Gesprächen MIT Genuss“ der MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung mussten sie unter Beweis gestellt werden. Bereits für den Februar geplant, musste das Treffen verschoben werden. Auch der Ausweichtermin kollidierte plötzlich mit einer kurzfristig anberaumten unaufschiebbaren Besprechung des vorgesehenen besonderen Gastes. Innerhalb von Stunden war eine Lösung gefunden, und was für eine: Christoph Minhoff (Berlin), Hauptgeschäftsführers der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) – er kommt stattdessen im kommenden Jahr – gewann an seiner Stelle seinen BVE-Ehrenpräsidenten Jürgen Abraham (Seevetal) und dieser versprühte ein Feuerwerk an Unternehmergeist und Kundenorientierung.

In der Zeit als Marktbeschicker habe er das Verkaufen gelernt, schilderte Abraham mit leuchtenden Augen: „Wenn ich in die Gesichter der Hausfrauen gesehen habe, wusste ich, was sie brauchen. Zwar beschwerte sich abends meine Frau, dass ich nach Käse stank, aber die Kasse war voll. Tagesumsätze von 5.000,00 Mark waren keine Seltenheit.“ Auch nach dem Wechsel vom Markthandel zur Schinkenproduktion baute der Vater zweier erwachsener Kinder auf sein geschäftliches Gespür. Dabei war ihm stets der persönliche Kontakt wichtig, der manche stockende Verhandlung wieder ins Rollen und zu einem beiderseits zufriedenstellenden Abschluss gebracht hat. Sicherlich war neben dem Geschäftssinn auch etwas Glück im Spiel, dass der Verkauf an die Bell AG zu einem Zeitpunkt erfolgte, als von der 2009 einsetzenden Finanzkrise noch nichts zu ahnen und 2008 sicherlich ein besserer Erlös als in den Folgejahren zu erzielen war.

Dass die Lebensmittelproduktion im Zeichen von Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz unter besonderer Aufmerksamkeit steht, ist Jürgen Abraham bewusst. Er stellt sich dem offensiv, appelliert an die Mündigkeit der Verbraucher und deren vielfältige Möglichkeiten, sich zu informieren. „Noch nie war die Ernährung so vielfältig wie heute, noch nie die Lebensmittelproduktion so sicher und transparent.“

 

Die aktuelle Milchpreiskrise habe sich abgezeichnet: Über Jahre sei zu viel produziert worden, so dass bei steigenden Mengen die Preise hätten fallen müssen. Der jetzt erforderliche Kapazitätsabbau sei zwar schmerzlich, aber unausweichlich.