Stellungnahme zum LZ-Artikel „Mädge verteidigt den Prügelknaben“ vom 17.08.15

Meinhard Perschel
Meinhard Perschel

Das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus: Der altgediente Oberbürgermeister, Ratgeber, Tonangeber und Parteifreund von Landrat Nahrstedt lässt diesen 2006 erstmals in den Wahlkampf ziehen mit dem Versprechen: „Ich werde die Brücke bauen“.

 

Heute sagt genau dieser Ratgeber: Die Brücke war schon in den 90er Jahren gestorben, keiner hatte den Mut, den Menschen aus dem Amt Neuhaus die Wahrheit zu sagen. Merkt er gar nicht, wie er das Volk für dumm verkauft? Deutlicher kann er den Menschen im gesamten Landkreis nicht sagen, dass die SPD für ihre Stimme im Wahlkampf alles versprechen würde, auch wenn sie nicht die Bohne daran glaubt.

 

Das erklärt auch, warum der Landrat und die SPD am Ende gar nichts erreicht haben, um die Brücke Realität werden zu lassen. Wer die Brücke ernsthaft gewollt hätte, hätte sich niemals von der SPD-geführten Landesregierung den Deckel „75 % auf 45 Millionen“ vorschreiben lassen, sondern wäre lauthals dagegen vorgegangen. Und er hätte seine Bundestagsabgeordneten eingespannt, um in Berlin Fördertöpfe für den Brückenbau zu öffnen. Er hätte noch vieles mehr getan, um die Menschen im Amt Neuhaus mit der Brücke besser an den Landkreis Lüneburg zu binden.

 

Dass all dies nicht passiert ist, wundert spätestens nach dem Artikel in der Landeszeitung keinen mehr. Klar ist: Das Projekt Elbbrücke war nie gewollt. Der Landrat will die Brücke nicht, weil es die Grünen ihm so diktiert haben. Der Oberbürgermeister will sie nicht, schließlich braucht er weiter großzügige Zugeständnisse aus dem Kreishaus, da sind 10 Millionen für den östlichen Landkreis für ihn kaum auszuhalten.

 

Der Gipfel ist dann aber, den Menschen und der Bürgermeisterin in Neuhaus zu erklären, was sie stattdessen zu tun haben: Sie sollen Potenziale in Handwerk und Gewerbe benennen – ja sind die Gewerbetreibenden denn alleine zu blöd dazu? Die wissen sehr wohl, wie sie neue Absatzmärkte kostengünstig erschließen können – nämlich mit einer Brücke. Das hat im übrigen die IHK in einer Befragung und Untersuchung sehr klar herausgearbeitet. Und der letzte gute Rat des Oberbürgermeisters, man solle die Verkehrswege nach Hamburg und Lüneburg verbessern, klingt wie Hohn. Genau dieser exzellenten Verkehrsanbindung an die Hansestadt Hamburg – und nicht hauptsächlich der Arbeit des Oberbürgermeisters – verdankt Lüneburg sein konstantes und stabiles Wachstum. Im Amt Neuhaus sollte genau das mit der Brücke erreicht werden!

 

Da der Landrat zum Thema Brücke abgetaucht ist, meint nun also der Oberbürgermeister, Kreispolitik betreiben zu müssen, und will den Gemeinden im Landkreis die Welt erklären. Die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt haben einen Anspruch darauf, dass der Oberbürgermeister die eigenen Probleme löst und die Verschuldung der Hansestadt in den Griff kriegt - durch eigene Sparanstrengungen statt dem Griff in die Kreis- und andere Kassen!

 

Meinhard Perschel